VOM FERNSEH-AKADEMIEPREIS ZUM FERNSEHFILMFESTIVAL

 

1964 bis heute

Fernsehfilmfestival Jury 1993

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste hat das Fernsehen früh in den Blick genommen: Bereits 1958, also nur zwei Jahre nach der Akademiegründung, forderte der Theaterregisseur Erwin Piscator die „systematische Beobachtung der Original-Fernsehspiele deutscher Autoren und aller Klassiker-Inszenierungen im Fernsehen“ als Aufgabe und Ziel der Akademie ein.

Die Idee eines Fernseh-Akademiepreises entstand 1964 – übrigens parallel zu einer Qualitätsdebatte, die im gleichen Jahr zum Berliner Theatertreffen führte. Mit dem Fernsehpreis der Akademie seien Produktionen auszuzeichnen, so die Ideengeber, die neue ästhetische Möglichkeiten aufzeigen. Vorschläge sollten von der ARD, dem (soeben gestarteten) ZDF und der Akademie kommen. Jedes Mitglied würde das Recht haben, auf Sendungen für die Vorschlagsliste hinzuweisen.

Der erste Fernsehpreis der Akademie wurde 1964 an Heinar Kipphardt für In der Sache J. Robert Oppenheimer verliehen. Sein „Szenischer Bericht“ war zuerst in einer Fernsehfassung beim Hessischen Rundfunk uraufgeführt worden, bevor das Stück dann zeitgleich an den Münchner Kammerspielen und der Berliner Volksbühne Bühnenpremiere hatte. Bei der Preisverleihung sprach Heinar Kipphardt über „Fernsehen und Wirklichkeit“.

Von 1964 bis 1988 fanden die Juryberatungen zum Fernseh-Akademiepreis in wechselnden Sendeanstalten statt. Hin und wieder waren die Kopien von schlechter Qualität oder es gab Unstimmigkeiten über die Kriterien der Preisfindung. Das führte dazu, dass in manchen Jahren kein Preis verliehen wurde. Ab 1979 wurden die Preisträger im Kommunalen Kino des Frankfurter Filmmuseums geehrt. Es waren unter anderem Peter Lilienthal, Egon Monk, Rolf Hädrich, Rainer Werner Fassbinder, Wolfgang Menge, Helma Sanders, Rainer Boldt, Werner Schroeter, Hellmuth Costard, Fritz Lehner, Gert Heidenreich, Peter Schulze-Rohr und Axel Corti.

Auf Betreiben von Hans Abich, Gertraud Linz, Hermann und Lore Naber sowie Dietmar N. Schmidt wurde für den Fernsehpreis Ende der achtziger Jahre in Baden-Baden eine neue, nun feste Heimstatt gefunden. Die Stadt Baden-Baden erkannte die Bedeutung der Unternehmung, und im November 1989 gab es die ersten „Baden-Badener Tage des Fernsehspiels“. Die Akademie, die Stadt und die Bäder- und Kurverwaltung zeichneten als Veranstalter, Gertraud Linz hatte die Festivalleitung, Hans Abich war Vorsitzender der Jury.

Jurydebatte 2014

Die Vorführung der Fernsehspiele und die Jurydiskussionen waren nun erstmals öffentlich. Podiumsdiskussionen, Premieren oder Retrospektiven umrahmen bis heute den Akademie-Wettbewerb, an dem seit 1995 auch die Sender des Privatfernsehens teilnehmen. Seit 1996 ist 3sat Partner des Preises und strahlt während der Festivalwoche alle Wettbewerbsfilme im Rahmen des 3sat-Zuschauerpreises im Abendprogramm aus. Ab 2000 rundet der Kinonachwuchswettbewerb MFG-Star die Veranstaltung ab, die sich seit 2014 FernsehfilmFestival Baden-Baden nennt. Die Preisverleihung, zunächst eine Sonntagsmatinée, wird nun als Gala-Dinner im Bénazetsaal des Kurhauses gefeiert.