Dankesrede zum Hans Abich Preis 2014

Liebe Akademie, lieber Hermann Beil, lieber Hendrik,
liebes Publikum,

wenn man den Satz „WOZU BRAUCHT MAN REDAKTEURE“ bei Google eingibt, liest man zuerst etwas über Entlassungen, dann über den Wandel des Berufes und dann kam gleich an fünfter Stelle „WOZU BRAUCHT MAN EIN BRECHEISEN“?

Die häufigste Frage, die mir hier in Baden-Baden gestellt wurde, war dann auch die nach dem geistigen Brecheisen - „wieviel Mut brauchen Sie, um solche Filme zu verantworten"? Ich muss gestehen, dass mich diese Frage immer ratlos in der Beantwortung lässt. Meine Redaktion im Hessischen Rundfunk ist eine Gruppe von Menschen - wir sind 10 - die voller Liebe und Leidenschaft ihre Arbeit machen. Wir achten die kreativen Menschen und helfen ihnen, die besten Ideen auf die Welt zu bringen. Nicht mehr und nicht weniger.

Allerdings gibt es doch einen Unterschied zu anderen Redaktionen - wir sind der einzige Sender, der seine Filme selbst produziert und damit übernehmen wir die Verantwortung für den gesamten Prozess - von der Idee bis zur Sendung. Vielleicht ist es diese Verantwortung, die unsere Filme am Ende besonders macht.

Christoph Waltz, der fast Tatortkommissar bei uns geworden wäre, hat damals in der Redaktionsrunde zu uns gesagt: „Ich mag nichts Allgemeines erleiden, nirgends, nicht im Leben und erst recht nicht vor der Kamera. Es kommt überall auf die Details an.

Das ist wahr. Deswegen will ich Ihnen auch hier keinen allgemeinen Vortrag halten über das Fernsehspiel, Krisen, Stoffe oder finanzielle Nöte. Darüber ist alles gesagt worden. Besonders in diesem Jahr - hier in Baden-Baden. Ich fand die Diskussionen und Atmosphäre extrem inspirierend. Nur so viel - meiner Meinung nach, braucht es weniger neue Stoffe. Wir brauchen leidenschaftliche Redaktionen.

Wir alle haben doch den tollsten Job - bei Festanstellung kreativ sein!! Das ist geradezu die Verpflichtung zu dem, was Hans Abich meint, wenn er sagt „Man muss dem Publikum die Schwelle des Mögens hoch legen.“

Überhaupt Hans Abich.....Ich habe in meinem Leben nicht viele Vorbilder getroffen. Er war eins.

Als ich 1990 hier als junge Redakteurin des kleinen Fernsehspiels den Preis für 'SINGLES' bekam, wollte ich unbedingt eine Lebensweisheit zum Redakteursdasein von ihm hören. Ich habs mir damals in meinem Kalender aufgeschrieben: „Sag die Wahrheit. Denk über Dich nach. Hab keine Angst vor Schwierigkeiten.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für diesen Preis!

Liane Jessen
Leiterin Fernsehspiel und Spielfilm beim Hessischen Rundfunk