Jurybegründung FernsehfilmFestival Baden-Baden 2014

Darstellerpreis: Charly Hübner

für seine Hauptrolle als Oberstleutnant Harald Schäfer in: „Bornholmer Straße“ (MDR ARD Degeto/RBB)

Am Abend des 9. November 1989 lässt Oberstleutnant Harald Jäger am Grenzübergang „Bornholmer Straße“ den Schlagbaum hochziehen und die Berliner Mauer zerbröselt wie ein staubtrockener Othello-Keks. Wie zeigt und spielt man diesen Menschen, dem die große Historie die Faust in den Magen haut? Ist der nur ein Rädchen? Ein Häufchen Elendsstaub im Welttheater? Eine Polit-Charge? Charly Hübner erkundet diesen Mann – hier heißt er Harald Schäfer – mit der denkbar größten Zartfühligkeit; er tut das inmitten eines wunderbaren Ensembles, getragen von einem erstaunlich leichthändigen Buch, dass das große Historiendrama pfiffig entdramatisiert. Es gelingt Charly Hübner ganz und gar unpathetisch all die Zwangsjacken, in denen dieser Typ steckt, abzustreifen und ihn als Menschen mit eigener Geschichte zu verteidigen. Hübner rührt, ohne in Rührseligkeit zu verfallen, er lädt uns zum Lachen, aber niemals zum Auslachen ein, er stemmt großes Gefühl, ohne in seichte Gefühligkeit abzugleiten. Da muss einer laufen und entscheiden lernen, losgelöst von allen Befehlsfäden, und die Marionettenstarre aus der Existenz schütteln. Hübner beherrscht die kleinen und die großen Gesten, die entgegengesetztesten emotionalen Gangarten, er spricht mit dem ganzen Körper, er ist mal tapsiger Bär, Offizier, Kamerad, Freund, dann wieder Feind, kalte Maske, mal Rädchen, mal Mann, mal Clown, Befehlseintänzer, Trostspender, Trostloser und plötzlich ... ein „Held“? Ein Mensch! Für diese große Kunst mimetischen Dolmetschens – große Komödianten übersetzen fremd-ferne Dramen, ohne sie dabei leichtfertig zu beschädigen – zeichnet die Jury den vielgesichtigen, den hinreißenden Charly Hübner aus.

+++ kurzfristig im Programm: VR- und AR Experten im Gespräch am 28. November um 11 Uhr bei der Zukunftswerkstatt, es sind noch Plätze frei, Teilnahme kostenlos +++