Jurybegründung FernsehfilmFestival Baden-Baden 2014

Preis der Studentenjury

Tatort: Im Schmerz geboren (HR)

Stellen Sie sich vor: Ein Saal, rappelvoll mit jungen Filmstudenten. Und dann kommt die Frage: „Wer von Euch schaut denn eigentlich alles Fernsehen?“ Und dann heben sich aber nur ein paar Hände.

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Akademie,

als Erstes möchten wir uns beim Festival bedanken. Dafür, dass wir junge Filmemacher als Studentenjury eine Stimme bekommen. Dass wir gehört werden und auch dafür, dass hier eine Begegnung zwischen unseren Hochschulen stattfindet.

Tatsächlich ist es so, dass uns an unseren Hochschulen die Frage „Wer von Euch schaut eigentlich Fernsehen?“ oft von Sendervertretern gestellt wird.
Und warum heben sich nur wenige Hände? Viele von uns haben noch nicht mal einen Fernseher. Was allerdings nicht bedeutet, dass wir von Fernsehformaten nicht angesprochen werden wollen.

Wir fordern ein Fernsehen, das mutig ist und Strukturen bricht. Wir wollen als Zuschauer nicht unterschätzt werden. Es unterfordert uns extrem, wenn wir Geschichten einfach nur serviert bekommen, denn wir wollen Geschichten selbst entdecken können.

Aber es gibt ja auch genau diese Filme, die uns jungen Filmemachern ungewöhnliche Ansätze präsentieren - die Inspiration für unsere eigene Arbeit sind. Es ist es wert, wenn man ausbricht! Wir sollten uns jetzt jedoch nicht auf die Suche nach einem neuen Erfolgsrezept beziehungsweise Erfolgskonzept begeben. Im Gegenteil: Jede Geschichte muss ihre eigene Form finden dürfen.

Genau das schafft unser Preisträger: Es ist ein Film, der Begeisterung bei uns auslöst. Wie bei keinem anderen Film war uns in der Runde ohne lange Diskussion klar: Dieser Film gehört zu unseren Favoriten! Der Film bricht mit gängigen Regeln und Sehgewohnheiten. Alle unsere Sinne werden angesprochen. Wir haben Farben und Klänge gespürt, Fantasie und Kreativität erlebt.

Wir zeichnen einen Film aus, der die Lust der Filmemacher auf uns - das Publikum - überträgt.

Dieser Film verbindet auf imposante Art und Weise Malerei, Theater und klassische Musik. Dabei bleibt er konsequent im Genremix: Western trifft auf Comic, Comic auf epische Erzählung.

Wie die Stilmittel eingesetzt werden, hat uns tief beeindruckt. Gefallen hat uns vor allem auch, dass ein Film so absurd sein kann und trotzdem konsequent und schlüssig ist.

Auch der Humor schließt sich dem an: Er ist einfach und dennoch nicht flach. Hat uns überrascht und der ironischen Umgang mit sich selbst, ließ uns immer wieder schmunzeln.

Wir wünschen uns, dass der hier aufgebrachte Mut Neues auszuprobieren auch auf andere Formate übergreift. Dieser Mut darf sich nicht nur in der Reihe Tatort etablieren. Denn genau diesen Mut wollen wir in Zukunft viel mehr auch in anderen Formaten sehen.

„Tatort: Im Schmerz geboren“ erhält den Preis der Studentenjury, aufgrund der Stimmigkeit im Gesamtwerk und wegen eines für uns sehr wichtigen Punktes: Er zeigt, was Fernsehen kann.

Studentenjury: Studenten der Filmakademie und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg sowie der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

+++ ACHTUNG: Anmeldung für die Zukunftswerkstatt: FILM VS. HIGHEND-SERIE mit Dennis Gansel, ARRI Media und Anca M. Lazarescu noch möglich +++