Begründung Jury der Studierenden 2021

Bilder haben Macht, Sender haben Macht. Menschen, die wir auf Bildschirmen sehen, prägen unsere Vorstellungen von der sogenannten „Normalität“, und formen so die zukünftige Realität unserer Gesellschaft.

Unterschiedliche Körperformen, kulturelle und religiöse Backgrounds und Menschen, die in anderen Hautfarben gelesen werden, müssen einen größeren Teil unserer Geschichten einnehmen. Diese Geschichten, diese Vielschichtigkeit vermissen wir in den Produktionen, auch auf diesem Festival. Unser Preis soll ein Statement, sowie eine Ermutigung sein.

Öffentlich rechtliche und private Sender, in alten wie auch neuen Medien, erreichen immer noch ein Millionenpublikum.
Dabei erreicht das Fernsehen auch genau die Generation, die der zeitgenössische Diskurs der Diversität kaum berührt.

Die Leistung von Anja Dihrberg und ihrem Team für den Film JACKPOT (SWR), macht einen großen Schritt in die richtige Richtung. Deshalb verleihen wir ihr den Preis der Jury der Studierenden.
In JACKPOT (SWR) sehen wir eine Hauptdarstellerin, die als Frau endlich einmal nicht Kleidergröße S trägt. Das sollte nicht erwähnenswert sein, ist es leider, wenn man sich die Wettbewerbsfilme anschaut.

Auch weitere Rollen sind divers besetzt und erzählt. Wir sehen Menschen mit Migrationsgeschichte, sowie BiPoC und das ohne, dass diese Tatsache eine nennenswerte Bewertung oder einen Kommentar durch die Geschichte erfährt. 
Das ist gut so!
Zudem kann man eine konsequente Zusammenarbeit von Regie, Produktion und Drehbuch letztlich in der Besetzung erkennen.

Leider sehen wir weder in dieser, noch in anderen Produktionen des Wettbewerbs echte Diversität in Hauptrollen, gerade was BiPoC Personen angeht.

Wir vermissen in sämtlichen Filmen nicht konventionelle Familienmodelle, Menschen, aus dem LGBTQ+ Bereich, Menschen mit Behinderung, diverse Milieus und deren Perspektiven. Unser Preis soll betonen, wie wichtig der Teilbereich des Castings und die interdisziplinäre Kommunikationen zwischen Gewerken für unsere Filme sein kann. 

Es geht hier darum, sich neu auszurichten und ein gemeinsames Ziel zu finden, dem man sich zuwendet. Das Casting ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Zu diesen Themen müssen wir im Dialog bleiben. Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen.

Wir wollen Caster*innen, Produzent*innen, Regisseur*innen, Autor*innen und alle jungen und alten Filmschaffenden aus dem deutschsprachigen Raum ermutigen, sich den notwendigen Entscheidungen und Themen zu stellen, um unsere Gesellschaft so darzustellen, wie wir sie wirklich erleben, lieben und sie uns wünschen. Denn unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig.

Jury der Studierenden 2021
Studierende der Filmakademie Baden-Württemberg (Katrin Gärtner, Julia Schubeius, Alina Yklymova), der Hochschule für Fernsehen und Film München (Karla Cristóbal, Âni Nguyên, Luisa Nöllke), der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf (Fritzie Benesch, Paul Lux, Nicolai Otteni) und der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main (Yama Rahimi)