Begründung Sonderpreis für Regie 2018

am 30. November 2018

Den Preis für die beste Regieleistung verleihen wir Dani Levy für seinen Film „Tatort – Die Musik stirbt zuletzt“.

„Das Dunkle ist so relevant, das Leichte nur Unterhaltung“, lautet ein Schlüsselsatz des Filmes. Bitte nicht! Hier zeichnen wir einen Film aus, in dem sich Leichtigkeit und Schmerz die Waage halten.

Der Regisseur hat diesem Film seinen ureigensten Rhythmus auferlegt. Er scheucht uns auf, nimmt uns an die Hand und zwingt uns Schritt zu halten.

Atemlos bestaunen wir eine organisatorische und handwerkliche Höchstleistung, die stilistisch alle Grenzen durchbricht, an die wir uns bei Fernsehfilm gewöhnt haben.

Aber auch dabei belässt es der Regisseur nicht.

Sondern er gibt dem Film noch dazu eine zutiefst persönliche Farbe.

Durch den Einsatz der Musik der in Lagern ermordeten Komponisten und einer Erzählung über einen Schweizer Intermediär, der an der Not der verfolgten Juden ein Vermögen verdiente, wird an den Holocaust erinnert, von dem wir niemals annehmen dürfen er sei „nun mal genug erzählt“, „man könne es nicht mehr hören“ etc., da wir mit seinen Konsequenzen weiterhin leben.

Der Film hat eine Bedeutung, die weit über das Medium hinausragt.

Und das wünschen wir uns vom Fernsehfilm, genauso wie stilistisch innovative Einfälle.

Die Auszeichnung dieses Filmes ist eine Aufforderung an Regisseure, aber auch an Redakteure nicht auszuruhen und vermeintlich Erfolgreiches und Funktionierendes zu wiederholen, sondern immer wieder große Anstrengungen zu unternehmen, um diese ausgetretenen Wege zu verlassen.

Die Jury 2018
Bettina Reitz (Juryvorsitzende), Julia von Heinz, Sandra Kegel, Oliver Kienle, Michael Verhoeven