Laudatio

Preis der Studentenjury
für „NSU 1: DIE TÄTER – HEUTE IST NICHT ALLE TAGE“ (BR) 

Wir wollen einen radikalen Film auszeichnen. „Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ fordert uns auf, aus unserer Komfortzone herauszukommen, uns zu konfrontieren und aktiv zu werden.

Die komplexe Zeichnung des Milieus zeugt von sicherlich schmerzlicher und intensiver Auseinandersetzung der Filmemacher und Darsteller mit dem Thema. Lebensnahe Dialoge und die eindringliche schauspielerische Leistung sowie die Symbiose von Inszenierung, Kamera und Schnitt entwickeln eine energetische Sogwirkung und machen den Zuschauer so gegen seinen Willen zum Teil der Gruppe.

Schonungslos nötigt uns der Film gegen unsere politische, innere Abwehrhaltung zu Empathie mit den Protagonisten. Die brutale Welt löst einen Fluchtinstinkt aus, doch der Zuschauer wird mit treffsicheren filmischen Mitteln an seinen Stuhl gefesselt. Innerhalb einer fiktionalen und doch realitätsnah erzählten Welt, blickt Beate Zschäpe den Zuschauer an, durchbricht die Leinwand und setzt uns die Pistole auf die Brust.

„Die Täter – Heute ist nicht alle Tage“ ist eine Warnung. Am eigenen Leib erleben wir einen Prozess der Radikalisierung. Der Film macht Angst und fordert uns zu einer Debatte auf, die längst überfällig ist. Er reißt Mauern ein, statt bestehende Grenzen zu bestärken. Er zeigt auf, wie zerbrechlich die Freiheiten sind, auf denen unsere Gesellschaft aufgebaut ist.

Dieser Film ist ein Angriff, auf den wir reagieren müssen.

Die Studentenjury des FernsehfilmFestivals Baden-Baden 2016:
Studierende der Filmakademie Baden-Württemberg, der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und der HFF Hochschule für Fernsehen und Film München