Begründung zur Entscheidung der Studentenjury 2017 keinen Preis vergeben

Die diesjährige Studentenjury – bestehend aus Studierenden der Filmschulen in Babelsberg, Ludwigsburg und München – sieht das “FernsehfilmFestival Baden-Baden” als einen einzigartigen Ort für herausragende Fernsehspiele der öffentlich-rechtlichen und privaten TV Sender.

Wir freuen uns sehr, dass wir diese Woche auf Tuchfühlung mit den Stoffen dieses Wettbewerbs gehen durften. Vielen Dank für diese Verantwortung.

Wir wollen heute Abend niemandes Partitur verbrennen.
Aber vielleicht müssen wir uns gegenseitig die Köpfe waschen.

Ja, wir durften in den vergangenen Tagen Zeuge werden, wie Räume bunter wurden und ernste Erkrankungen auch mal lustig sein durften, von filmischer Stilsicherheit und formellem Mut, die kein Zwiespalt sein müssen, von DDR-Freundschaften, die uns auf wunderbare Weise in ein Loch zogen.

Aber vieles war Stückwerk statt Kunstwerk, Konsens statt Krawall, Bravheit statt Braveness, Asthma statt Aufbruch. Es war in diesen Tagen beunruhigend zu sehen, dass manche Kreative ihr Werk nicht einmal verteidigten.
Teilweise entstand der Eindruck der Uneinigkeit zwischen den Verantwortlichen – darüber, von welcher gemeinsamen Vision einzelne Filme angetrieben wurden.
Das ist, was wir beobachtet haben, und das reicht uns so nicht.

Ein Film, der ausgezeichnet wird, muss nicht makellos sein.
Er muss uns jedoch grundlegend begeistern und in die Zukunft weisen.
Keiner der Filme hat dies für uns in ausreichender Weise getan.
Aus diesem Grund hat sich die Studentenjury mehrheitlich dazu entschieden, dieses Jahr keinen Preis zu vergeben.

Uns trieb nicht Uneinigkeit zu dieser Entscheidung. Vielmehr war es die Erkenntnis, dass nicht ein einziger Film auch nur ein einziges Jurymitglied wirklich zu begeistern vermochte.

Wir sind nicht glücklich, keinen Film auszeichnen zu können, manche von uns haben bis zum Schluss dafür gekämpft. Aber ein Preis wäre der kleinste gemeinsame Nenner gewesen -– was für ein Mumpitz!

Wir sind überzeugt, dass Fernsehen mehr kann und mehr muss.
Nicht nur Filme, auch Preise haben eine Verantwortung.

Die Studentenjury 2017,

bestehend aus Studierenden der Filmakademie Baden-Württemberg, der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf und der Hochschule für Fernsehen und Film München.