Rainer Bartesch erhält Rolf-Hans Müller Filmmusikpreis zum Film „Erntedank“

(Ein Film von Rainer Kaufmann nach dem Roman „Erntedank“ von Volker Klüpfel und Michel Kobr  Komponist: Rainer Bartesch)

Rolf-Hans Müller Preis für Filmmusik 2010 geht an Rainer Bartesch

Der in Starnberg lebende Komponist und Dirigent Rainer Bartesch erhält den mit 10 000 Euro dotierten Rolf-Hans Müller Preis für Filmmusik 2010.

In diesem Jahr lagen der 7-köpfigen Jury, die beim SWR in Baden-Baden getagt hat, insgesamt 56 Einreichungen vor. Ihre Entscheidung begründete die Jury folgendermaßen: „Für die Vertonung von ‚Erntedank‘ komponierte Bartesch eine sehr außergewöhnliche und sehr wandlungsfähige Musik, die auf der Basis von bayerischer Blas- und Stubenmusik kriminalistische, komödiantische und alpenländische Züge vereint und zugleich auf sensible Weise die Unsicherheit und die Zweifel des Hauptdarstellers Kluftinger widerspiegelt.“

Die Jury lobte die Geschlossenheit von Musik und Bild und die durchgehende Stringenz der musikalischen Farbe in der vom Bayerischen Rundfunk in Auftrag gegebenen Verfilmung des Allgäukrimis „Erntedank“. Die Preisverleihung fand in Baden-Baden im Rahmen des Fernsehfilm-Festivals am 19. November statt.

Mit dem Preis werden seit 1992 alle zwei Jahre Komponisten für ihre herausragende Filmmusik geehrt. Gestiftet wird er von der Rolf-Hans-Müller Stiftung Baden-Baden und der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Rolf-Hans Müller war als Dirigent, Komponist und Arrangeur dem früheren SWF (heute SWR) jahrelang eng verbunden.

Bisherige Preisträger sind: Natalia Dittrich (2008), Marco Hertenstein (2006), Karim Sebastian Elias (2004), Florian Appl (2002), Johannes Kobilke (2000), Jörg Lemberg (1998), Ralf Wienrich (1996), Frank Loef (1994) und Nikolaus Glowna (1992).

Biografisches zu Rainer Bartesch

Rainer Bartesch, 1964 in Haslach bei Burggen geboren, ist ein erfahrener und äußerst vielseitiger Komponist und Instrumentalist. 2007 gewann er mit seinem orchestralen Magnificat einen Kompositionswettbewerb des BR für zeitgenössische sakrale Musik. Für die Vertonung von „Erntedank“ wünschte sich Regisseur Rainer Kaufmann eine außergewöhnliche, extrem wandlungsfähige Musik, die wie eine Blas- und Stubenmusik klingen sollte aber deutliche kriminalistische, komödiantische und alpenländische Züge haben sollte. Gleichzeitig sollte sie in der Lage sein, auf sensible Weise die Unsicherheit und die Zweifel des Hauptdarstellers Kluftinger wider zu spiegeln.

So erfolgte zum Beispiel die Annäherung an die Titelmusik, Kluftingers Thema, in fünf Etappen. Jeder der fünf Entwürfe passte zwar zum Bild, aber die Energie der ersten vier Stücke sprengte schlicht die kleine Welt, um die sich Kluftinger´s Gedanken drehen. Erst ein schlichter Zwiefacher mit einer recht verschrobenen Harmonik und knappen melodischen Bögen ließ Herbert Knaups Kluftinger genügend Raum, ganz mit dem eigenwilligen Kommissar zu verschmelzen und in dessen Welt einzutauchen.

Ein Herausforderung der besonderen Art stellte die Komposition der Musik für Kluftingers surreale Visionen dar. Dafür nahm Rainer Bartesch eigens die Töne einer Zither einzeln auf und spielte sie dann mit Hilfe eines Samplers rückwärts wieder ab. Auf diese Weise konnte das Visionsthema mit den Tönen einer rückwärts abgespielten Zither erklingen.

Ebenso außergewöhnlich wie unkonventionell ist die Musik zum Showdown am Dengelfelsen. Hier vermischen sich alpenländische Klänge mit jazzigen Bläsersätzen und Elementen aus der Westernmusik und kreieren einen eigenständigen Sound, für den es keine Vorlage gibt.

Die meisten Instrumente hat Rainer Bartesch selbst eingespielt, darunter Zither, Hackbretter, Gitarren, Akkordeon, Flügelhörner, Hörner, Alphörner, Posaunen, Euphonien und elektronische Glasharfe.