Hans Abich Preis 2020 an Anke Greifeneder

Foto: Jo Simon

Die Frau, die sich traut
Man könnte bei Anke Greifeneder von der Frau der Stunde in der deutschen Fernsehlandschaft sprechen. Aber das wäre deutlich zu kurz gedacht. Sie ist die Frau der letzten Jahre. Mit ihrer enormen Power, ihren sprudelnden Ideen, ihrer großen Beharrlichkeit und ihrer innovativen Kreativität hat sie den Fiktionbereich entscheidend mitgeprägt und auch ein Stück weit auf den Kopf gestellt. Sie steht nicht für den Fernsehfilm klassischer Prägung, sie steht für serielles Erzählen. Und da geht sie gerne neue Wege. Vier Begriffe stehen für all das, was Anke Greifeneder anstößt, begleitet und umsetzt: Innovation, Kreativität, Mut, Kontinuität.

2010 ging es los mit der kleinen Serie „Add a Friend“. Dann kam „Weinberg“, obwohl Mystery und Deutschland vorher so gar nicht zusammengepasst hatten.
Es folgte „4 Blocks“, keine Polizeiserie üblicher Prägung, nicht die Ermittler, die Gangster stehen da im Mittelpunkt. Weiter ging es mit „Arthurs Gesetz“, „Andere Eltern“ und vor wenigen Monaten das Corona-Projekt „Ausgebremst“. „Wir sind Pay-TV und haben große Freiheiten“, sagt Anke Greifeneder. Dennoch muss man es wagen, die üblichen Pfade zu verlassen, den Mut zum Scheitern mitzubringen, auch wenn das Scheitern nicht auf ihrer to-do-Liste steht. Sie setzt auf Kontinuität, hat aber auch ein Gespür dafür, wann etwas auserzählt ist. Viele Projekte gingen in eine zweite bzw. mehrere Staffeln. Und während sie ein Projekt weiterdreht, ist sie längst schon mit den Gedanken bei den nächsten. Die heißen „Para – Wir sind King“, „The Mopes“ und „Almost Fly“.

Anke Greifeneder ist die Frau, die sich traut. Die ihr Ego nicht über das Projekt stellt. Die sich selbst nicht in den Mittelpunkt rückt. Sie zieht die Kreativen wie ein Magnet an, arbeitet gerne langfristig mit Produzenten, Autoren und Regisseuren zusammen, aber sie hat auch einen Blick für Talente, bestückt jedes ihrer Projekte immer auch mit neuen Leuten. Sie ist Teamplayerin, Begleiterin, Zuhörerin, Ideengeberin und – das soll nicht vergessen werden – auch noch Produktionschefin der deutschen Turner-Pay-TV-Sender. Dass sie Familie hat, Bücher schreibt, wunderbar Klavier spielt, das kommt zu all dem hinzu, wenngleich auch ihre Tage nur 24 Stunden haben. Ein wenig Zeit wird es sie auch kosten, all die Job-Angebote abzuwehren, denn eine Anke Greifeneder an der Spitze eines Kreativteams zu haben, das muss jeder Sender, jeder Produzent als oberste Priorität haben.

Anke Greifeneder steht wie keine andere für Aufbruch, und der ist in diesen Zeiten wichtiger denn je. Mit ihrer Entscheidung für die Serien-Spezialistin will die Jury für den Hans Abich Preis auch ein deutliches Zeichen setzen, Fernsehfilm und Serie nicht als Gegenpole zu sehen, sondern als zwei eigenständige und sich gegen-seitig antreibende und befruchtende Formen des fiktionalen Erzählens.

(Jurybegründung)

Die Laudatio hält das Autorenteam HaRiBo: Hanno Hackfort, Richard Kropf, Bob Konrad 

Rede von Anke Greifeneder anlässlich der Verleihung des Hans Abich Preises 2020

Hans Abich Preis: Laudation und Rede der Preisträgerin




Preisträger

Die Jury für den Hans Abich Preis 2020

  • Volker Bergmeister, Medienjournalist und TV-Kritiker
  • Hans-Jürgen Drescher, Präsident der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
  • Julia von Heinz, Hans Abich Preisträgerin 2019
  • Bettina Reitz, Juryvorsitzende 2016-18 und Hans Abich Preisträgerin 2009
  • Cathrin Ehrlich, Festivalleiterin